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Weißdorfer Geschichte

Die Gründungszeit

Die genaue Angabe der Gründungszeit ist nicht möglich. Es wird vermutet, dass Weißdorf im Zuge der Besiedlung unserer Gegend zwischen 1000 und 1100 entstanden ist und zwar durch einen gewissen Wizilo (Wissel?) und seinen Gefolgsleuten. Auf jeden Fall steckt in ihm ein Eigenname. Schon frühzeitig muß oberhalb von Weißdorf an der Saale ein Hammerwerk betrieben worden sein, das allerdings urkundlich nicht faßbar ist. Vor einigen Jahren wurden in der Flur Hammergraben tönerne Gefäßbruchstücke gefunden, die ins 11. oder 12. Jahrhundert gehören.

Im Jahre 1364 wurde Weißdorf nachweisbar erstmals urkundlich erwähnt. Als Rüdiger von Sparneck am 13.7.1364 die Privilegien der Stadt Nürnberg an die Münchberger Bürger erteilte, erschienen in der Urkunde auch seine Söhne Hans und Jett zu Weißelsdorf. Spätestens in diesem Jahr, wahrscheinlich schon früher, muss also Weißdorf in den Besitz der Herren von Sparneck gekommen sein.

War nun Wizilosdorf oder auch Wisselsdorf der ursprüngliche Name? Diese Frage wird wohl niemand beantworten können. Dass der Ortsname aber früher anders lautete, dürfte sicher sein. In Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts kommt er als: Weysselstorff, Weisselstorf, Weitzelstorf, Weizelstorf, Weissilsdorf, Weichselsdorf und Weyschelsdorf. Erst im ausgehenden 16. Jahrhundert bürgerte sich allmählich die jetzige Schreibweise ein.

Am 20. Juli 1374 trug Hans von Sparneck „zu Weizelstorf gesezzen“ sein bis dahin anscheinend freieignes Schloß und Dorf Weißdorf mit allen Zugehörungen und Rechten dem Burggrafen von Nürnberg, Friedrich V., zu Lehen auf. Gleichzeitig erklärte er seine Wasserburg als ein „offenes Haus“ für den Burggrafen und seine Nachfolger.

Den Schloßherren in Weißdorf stand auch die niedere Gerichtsbarkeit über ihre Hintersassen zu. Dagegen wurde die hohe oder Malefizgerichtsbarkeit, die vornehmlich über Mord, Totschlag, Diebstahl und schwere Unzucht zu urteilen hatte, vom markgräflichen Richtern in Münchberg ausgeübt. Der Umfang des Weißdorfer Adelsgerichts wird 1419 erstmals kurz beschrieben. Es begann am Steinkreuz bei der Saalebrücke und endete an der Stelle, wo der Weg nach Bug von der über Seulbitz nach Schwarzenbach an der Saale führenden Hofer Straße abzweigte.

Beim Einfall der Hussiten in den letzten Januar- oder ersten Februartagen des Jahres 1430, bei dem Münchberg und das umliegende Land mit Brand und Plünderung heimgesucht wurden, dürften Schloß und Dorf Weißdorf kaum ungeschoren davongekommen sein. Schon deshalb nicht, weil sich Hans und Arnold von Sparneck aus dem Hause Weißdorf mit etwa 80 Rittern bei Hof der Vorhut der Hussiten entgegengestellt hatten.

Am 16. Dezember 1457 veräußerte Hans von Sparneck sechs Güter in Weißdorf an Friedrich Rabenstein zu Döhlau und zwei Güter an Kaspar von Wildenstein. Auch Friedrich von Kotzau empfing am 1. September 1468 zwei Güter und einen Zehnten „zu Weyselßdorf“ vom Markgrafen Albrecht zu Lehen.

Aus einem Lehensrevers des Martin von Sparneck vom 23. Mai 1502 ist ersichtlich, welchen Umfang Weißdorf damals hatte. Martin von Sparneck erhielt damals vom Markgrafen Friedrich neben vielen anderen Gütern zu Lehen „Weysselßdorff das Schloß mitsamt den Wassergräben“, das Weiherlein vor der Brücke, den Viehhof mit den dazugehörigen Feldern, Wiesen und Fischwassern, 2 Höfe, 2 halbe Höfe, 20 Seldengüter, 3 Herbergen oder Trüpfhäuser, eine Mahlmühle, die Badstube, des Kirchners Gut, das Haus des Hutmanns oder Viehhirten und den toten und lebendigen Zehnten über das ganze Dorf Weißdorf, soweit dessen Felder reichten.

Schwäbischer Bund und die Brunst zu Weißdorf

Einer Katastrophe gingen die Wasserburg in Weißdorf und die übrigen Burgen der Sparnecker im Jahre 1523 entgegen. Die Herren von Sparneck hatten sich in die leidenschaftlich und grausam geführte Fehde des Hans Thomas von Absberg gegen die Grafen von Öttingen, den Schwäbischen Bund und schwäbische und fränkische Reichsstädte hineinziehen lassen. Mitte Juni setzte sich das Bundesheer von Dinkelsbühl aus gegen die „Raubnester“ im Odenwald und in Franken in Marsch. es hatte den strikten Befehl, auch die sparneckischen Schlösser Gattendorf bei Hof, Uprode, Weißdorf, Sparneck und Waldstein „zu zerreißen, verbrennen und gar abweg zu tun“ und die dazugehörigen Besitzungen für den Bund zu beschlagnahmen.

Am 10. Juli 1523 wurde die Burg in Sparneck gesprengt und ausgebrannt, am nächsten Tag wurde von der schon zerstörten Burg Uprode der noch stehende Bergfried gesprengt und das Rote Schloß auf dem Waldstein zerstört. Nachdem der oberste Feldherr Jorg Truchseß, Frhr. zu Waldenburg und die Kriegsräte Besitz von der Wasserburg Weißdorf ergriffen hatten, stellte sich heraus, daß sie nicht von allen Bewohnern verlassen worden war. Die Ehefrau des Sebastian von Sparneck lag dort im Kindbett. Bei dieser Sachlage trafen die Befehlshaber des Bundesheeres zunächst keine Anstalten, das Schloß räumen und niederbrennen zu lassen. Sie ließen es jedoch von einer Abteilung Kriegsknechte besetzen. Daraufhin verließ Sebastians Gemahlin mit Säugling und Dienstmagd die Burg. Am 11. oder 12. Juli 1523 wurde auch in dieses feste Haus der Sparnecker die Brandfackel geschleudert.

Schon am 22. Juli 1539 brach neues Unheil über Weißdorf herein. Der Hofer Chronist Widmann berichtete, daß damals „die Brunst zu Weißdorf“ geschehen sei. 1550 hören wir zum erstenmal von einem Schulhaus und 1551 von einem Schulmeister in Weißdorf. Ein Gerichtsbuch aus dem 16./17. Jahrhundert nennt für Weißdorf 1573 erstmals einen Bürgermeister (Wolf Reichel) und elf auf Lebenszeit gewählte Gerichtsbeisitzers, die auch Schöffen und Ratsverwandte hießen.

Im August 1606 berichteten Kastner und Richter in Münchberg an die markgräfliche Regierung über das alte Schloß in Weißdorf. Sie schrieben: „Die Behausung zu Weißdorf ist das alte noch stehende Gemäuer am Schloß, die Kemenate. Der innere Stock hat zwei Wassergräben. Auch dabei der Viehhof, die Schäferei und der Schafhof. Haben die von Sparneck jederzeit bewohnt und innengehabt. Aber jetzt ist solches Schloß gar öd und unbewohnt“.

Am 7. Februar 1619 teilte Melchior von Tettau seinen Besitz unter seine Söhne auf. Es erhielt Hans Adam Weißdorf und Sigmund Urban Bug. Die „neu erbaute adelige Schloßbehausung zu Weißdorf“ behielt sich aber der Vater als Wohnsitz auf Lebenszeit vor.

Dreißigjähriger Krieg und Pest

Im ersten Drittel des 30jährigen Krieges (1618 – 1648) blieb das Fürstentum Brandenburg-Kulmbach und damit das Münchberger Umland dank der neutralen Haltung des Markgrafen Christian noch von unmittelbaren Kriegshandlungen verschont. Nachdem Markgraf Christian im Herbst 1631 seine Neutralitätspolitik aufgegeben und sich mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf verbündet hatte, wurde das ganze Fürstentum mehr und mehr in den Kriegsstrudel hineingerissen. Das sollte Weißdorf vor allem in den Schreckensjahren 1632 bis 1634 spüren. Am 24. September 19632 plünderten kaiserliche Reiter in Weißdorf das Schloß, das Pfarrhaus und andere Häuser. Bei diesem Überfall wurde Erhard Krimler „von einem gottlosen Kayserischen Reutter“ im oberen Wirtshaus erschossen. Als die Kaiserlichen am 25. Januar 1633 erneut plünderten, ereilte Erhard Og, „einen frommen armen Tropf“, das gleiche Schicksal. Hans Reichel von Oppenroth wurde am 10. März 1633 „von einer mörderischen Kriegsgurgel“ im Hag erschossen.

Zu allem Unglück gesellte sich 1633 und 1634 die Pest dazu. Besonders schlimm sah es damals in Benk aus. Während es im Pfarrspiel vorher im jährlichen Durchschnitt 31 Beerdigungen gab, weist das Kirchenbuch für 1633 77 und für 1634 sogar 84 Verstorbene nach. Einem Urbar über Weißdorf und Bug kann man entnehmen, wie traurig es dort 1641 zuging. So hatten drei magwitzische Untertanen und der Gastwirt Erhard Robisch im Februar das verlassene Haus des Jahreiß in Weißdorf „beim lichten Tag angefallen, eingerissen und weggetragen“, ohne sich um den Einspruch des Richters zu kümmern. Ein anderes Gut, das dem verstorbenen Georg Strößner gehört hatte, lag seit Jahren wüst. in Albertsreuth war ein Hof von den Schweden abgebrannt worden.

18. und 19. Jahrhundert

Am 19. Juni 1704 brach auf der Westseite von Weißdorf ein Brand aus, dem erst in der Schafgasse Einhalt geboten werden konnte. Kirche und Pfarrhaus wurden in Mittleidenschaft gezogen. Neuen Schrecken verursachte in Weißdorf ein Großfeuer, das am 26. Juli 1745 die beiden Gasthöfe, das Pfarrhaus mit seinen Nebengebäuden und 14 Häuser vernichtete. Die Kirche erlitt Schäden.

In einem für Heinrich Friedrich Karl von Podewils am 8. Mai 1794 ausgestellten Lehenbrief ist die Rede „vom ganz modern erbauten und mit einer Mauer, dann einem mit Wasser angefüllten Graben umgebenen Castrum“. Dazu gehörten an Nebengebäuden ein außerhalb des Schlosses befindliches kleines Haus, in dem früher der Gerichtsknecht wohnte, die Pächterswohnung mit dem Rinderstall, eine große Scheune, die kleinere Zehntscheune, eine Wagenschupfe für den Pächter, das Gartenhaus, ein Schafstall und die Schäferswohnung mit dem angebauten Kuhstall.

1810 kam das Fürstentum Bayeuth nach vierjähriger französischer Verwaltung an das Königreich Bayern. Damals besaß Weißdorf 116 Feuerstellen. Dort lebten 147 Familien mit 637 Seelen. An Vieh waren 6 Pferde, 114 Rinder, 121 Kühe, 191 Schafe, 94 Schweine und 6 Ziegen vorhanden.

1848 starben die Brüder Wilhelm Erdmann Ernst und Friedrich Karl August von Podewils kurz nacheinander, ohne männliche Erben zu hinterlassen. Nun wurden wieder die Herren von Feilitzsch als nächste Verwandte mit Weißdorf belehnt. Aber schon 1853 kaufte es der königlich-sächsische Amtsrat Louis Leuckart aus Dresden. Die Familie wurde 1879 in den erblichen Freiherrenstand des Königreiches Bayern erhoben.

Die kgl. Gernaldirektion der Posten und Telegraphen genehmigte 1893 die Einrichtung einer Postablage in Weißdorf. Sie wurde am 16. Juni eröffnet. Vom selben Tage an verkehrte auch eine Karriolpost zweimal täglich zwischen Weißdorf und Münchberg. Am 1. September 1894 wurde der Öffentlichkeit eine Telegraphenstation mit Telefonbetrieb übergeben.

20. Jahrhundert

Am 18. Oktober 1902 konnte die seit langem ersehnte Lokalbahn Münchberg – Weißdorf – Sparneck – Zell in Betrieb genommen werden. Sie förderte auch in Weißdorf die Ansiedlung von mechanischen Textilfabriken. Allerdings wurde diese Linie bereits am 25. September 1971 wieder eingestellt. Heute ist vom Schienenstrang nichts mehr zu sehen, nur das Bahnhofsgebäude steht noch.

Im Jahre 1938 wird die Gemeinde Bug aufgelöst und die Ortsteile Bug und Oppenroth werden ebenso wie der Ortsteil Wulmersreuth (aus der Gemeinde Markersreuth) nach Weißdorf eingemeindet.

Beim Einmarsch der Amerikaner am 15. April 1945 ging das Anwesen Fuchs in der Bahnhof-straße durch Artilleriebeschuß in Flammen auf. Schwere Zerstörungen wurden in Benk ange-richtet. Während des 2. Weltkrieges waren 46 Weißdorfer gefallen. In den Jahren 1945/46 musste Weißdorf rund 400 Heimatvertriebene aufnehmen, sodass die Bevölkerung um etwa
50 % zunahm.

Dank einer hochherzigen Spende eines mit 18 Jahren nach Nordamerika ausgewanderten Weißdorfers, des Christian Seidel in Pittsburg, konnte 1952 eine neue Volksschule gebaut werden, die im darauffolgenden Jahr bezogen wurde. Die dazugehörige Turnhalle dieser
Christian-Seidel-Schule wurde am 1. Osterfeiertag des Jahres 1955 durch 1. Bürgermeister Heinrich Kauffenstein ihrer Bestimmung übergeben.

Der Ortsteil Benk (vorher Gemeinde Hallerstein) zählt ab 1. Juli 1976 aufgrund einer freiwilligen Eingemeindung zur Gemeinde Weißdorf. Im Vollzug der Gebietsreform wurden 1978 die Ortsteile Albertsreuth und Bärlas (vorher Gemeinde Seulbitz) nach Weißdorf eingemeindet. Die Gemeinde Weißdorf blieb selbständig, wurde jedoch Mitgliedsgemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Sparneck.